Doppeltunnel Eben Emael

Die Secrets von Eben Emael

Unmittelbar unter dem Straßenbogen hinter der
Richard-Brücke beginnt ein vergessener alter
Doppeltunnel der geradewegs vor das Fort
Eben Emael führt...


1,8 Km blanker Kreidetunnel vom Fort zur Maas

Eigentlich hatten wir beim Vorbeifahren einen kleinen Bunker am Straßenrand erspäht und an der Richard-Brücke geparkt, um die 30 Meter zurückzugehen und ihn in Augenschein zu nehmen. Dabei fiel uns unterhalb der Straße ein vermauerter Eingang von ca 3 Meter Breite und 2,50 Höhe auf, der geradewegs unter die Straße führt. Links neben der Türe fehlen einige Steine und prangt ein großes Loch durch das wir mit einer Taschenlampe hineinleuchten. Dahinter erstreckt sich, schräg rechts abgehend, ein Tunnel in den nackten Kreidefelsen - soweit die Taschenlampe reicht. Auch der eiligst vom Auto herbeigeholte große Hallogen-Strahler kann kein Ende in Sicht bringen. Allerdings bemerken wir einen Luftstrom, der uns in unregelmäßigen Abständen aus dem Tunnel entgegenströmt. Wir beschließen der Sache und insbesondere dem Tunnel auf den Grund zu gehen und steigen mit kleiner Ausrüstung durch die Maueröffnung in den Tunnel.


Detailskizze Maasseite

Schlupfloch hinter der Brücke

Eingang von Innen

Erster Eindruck

Anfang zweiter Tunnel

Oldtimer im Tunnel

Den ersten Eindruck kann die Fotografie in keinster Weise wiederspiegeln. Nach dem Einstieg steigt der Boden einen halben Meter an und zwar weil soviel Kreide von der Decke sichtbar abgebröckelt ist. Wir befinden uns hier unmittelbar unter der Straße. Die beiden seitlichen Stützmauern in Straßenbreite erfüllen ihren Zweck schon länger nicht mehr, denn der zu stützende Mergel ist mindestens in Mauerdicke abgeplatzt und liegt auf dem Boden vor uns. Schnell und leise auftretend schreiten wir einige Meter voran endecken linkerhand eine Art Durchgang zu einem zweiten, parallel laufenden, Tunnel. Wir nehmen diesen 2 Meter langen Abzweig und enddecken, im zweiten Tunnel angelangt, linkerhand ein Autowrack das wohl schon ein halbes Jahrhundert hier zu stehen scheint. Einen zweiten Eingang vermuten wir am Anfang dieses Tunnels und gehen am "Oldtimer" vorbei in Richtung Maas, aber kaum 10 Meter weiter endet dieser zweite Tunnel am blanken Mergel. Daraufhin marschieren wir nun weiter in den Berg hinein und bleiben in diesen zweiten Tunnel, weil er weitaus besser erhalten ist und weniger "Abgebröckeltes" des Weges liegt.


Wie lange der hier wohl steht?

Restauration sinnlos...

Kalk aus der Wand

Isolatoren unter der Decke

Lüftungschacht

Viele merkwürdige Dinge finden sich auf unserem Streifzug, der uns immer weiter in den Berg hinein führt. Die in regelmäßigen Abständen vorhandenen Verbindungsgänge zwischen den beiden Tunnel sind teils zugemauert, mit Türen versehen oder ganz frei. Ebenso gibt es alle paar hundert Meter eine Art Viehtränke an der jeweiligen Aussenwand. Beide Tunnel sind einfach in den blanken Kreidefels getrieben und nirgends verstärkt oder die Wände verkleidet. Die Isolatoren unter der Decke weisen auf eine ehemalige Elektrifizierung hin und später werden wir sogar noch Drähte finden. Mit der Zeit werden die nun spitzeiförmigen Tunnel immer höher und haben letzlich eine Deckenhöhe von ca. 3,5 bis 4,5 Metern. Der ebenfalls unbefestigte Boden klingt zum Teil hohl und könnte ebenso mit einem Kanal unterbaut sein, wie auch Luftspalten zwischen den oberen Kreideschichten haben. Irgendwo am Schnittpunkt der jeweiligen Außenwände und dem Boden gluckert es zum Teil und es scheint dort Wasser zu laufen. Die Wände selbst sind nur an einigen Stellen feucht und bilden dort Kalkablagerungen wie in einer Tropfsteinhöhle. In beiden Tunnel sind regelmäßig Nylonseile in 2 Meter höhe quergespannt, an denen mittig ein Holzbrettchen mit zwei Einkerbungen mittels einer Seilschlaufe eingehängt ist. Zusätzlich ist an der jeweiligen Außenwand ein Zusatzseil von cirka einen Meter Länge angeknüpft, das mit einem ähnlichem Holzbrettchen versehen ist. Oberhalb dieser Seile kann man teils noch Dachlatten ausmachen, mit denen schwarze Kunstoffolie einst an die Wand festgemacht war. An einigen wenigen Stellen hängt die Folie noch bis nach unten und wir fragen uns, warum der linke Tunnel damit alle soundsoviel Meter abgeschottet wurde.

Wir sind nun schätzungsweise 800 bis 1000 Meter weit vorangeschritten und nun wird es noch merkwürdiger, denn der linke Tunnel weist nun eine Art Bebauung auf. Die Verbindungsgänge sind nun auf cirka 5 Meter breite und dreiviertel Deckelhöhe geöffnet, so das ganze LKWs hindurchfahren könnten. Der linke Tunnel ist jeweils mit drei 6-9 cm dünnen Wänden - pro Abschnitt zwischen den Durchbrüchen - in voller Höhe zugemauert. Eine mittige Türe und ein Blechfass links oberhalb sind die einzigsten Durchbrüche. An dem Fass sind zum Teil noch Schläuche aus Kunstoffolie erhalten die bis zur nächsten Trennwand mit Ringen von der Decke abgehangen ist. Ein Art Luftsystem, nur der Zweck liegt nicht sofort auf der Hand. IP wird gefordert sein. Hier sind auch noch teilweise die freien elektrischen Drähte unter der der Decke erhalten, die einfach an den Trennwänden eingemauert wurden. Nachträglich sind schwarze isolierte Leitung daran angeknüpft worden, die wiederum zu Schaltern und Lampen führen. Ein Gewölbe ist sogar mit einem flachem Dach in ca. 3 Metern Höhe versehen worden, sodaß sich richtige Räume ergeben.


Ende der Tunnel

Einsturzstelle

Schichten an der Wand sichtbar

Vermauerter Abzweig

Pilzwuchs am Boden...brrr

Vermauerter Abgang mit Schlupfloch

Blick in den Abgang

Nach der massiven Bebauung des linken Tunnel steigt der Boden einige Meter an und ist mit Kreideschutt bedeckt. Nur mit Mühe erkennen wir dahinter den Ausgang ins Freie, weil es inzwischen draußen stockdunkel ist. Wir eilen durch das halb eingestürtze Gewölbe und klettern nach draußen. Dort sehen wir nur Gestrüpp und vor uns ca. 2 Meter hohen steilen Erwall. Da wir noch nicht genau wissen, wo wir angelangt sind, und man den Wall zwar mit Schwung hochlaufen könnte, dahinter aber auch ein Abhang oder gar Steilhang wie am Albertkanal liegen könnte, machen wir kurz Verschaufpause - denn Licht einschalten wollten wir auch nicht, wer weiss wo wir gelandet waren. Langsam, mit mehr rutschen als steigen, klettern wir den feuchten Erdwall hoch und...und...und vor uns liegt ein Feld und 30 Meter rechts der Haupteingang von Fort Eben-Emael. Wir befinden uns quasi oberhalb des Besucherparkplatzes. Nach kurzer Orientierung rutschen wir wieder in den Tunnel und schlagen den Rückweg in der anderen Röhre ein. Die 1,8 Km Rückweg waren dann aber auch von neuen Merkwürdigkeiten gesäumt. Auf vielleicht halben Wege waren kleine quadratische Abzweigungen mit etwa 1 Meter Kantenlänge links und rechts des Tunnels eingelassen. Diese liegen mit der Unterkante cirka 2 Meter hoch und sind mit sehr kleinen roten Ziegeln vermauert. Sie befinden sich in Gruppen, alle 5 - 10 Meter ein Abgang, und sind an der Unterkante mit einem 15cm tiefen Schlitz verbunden, wo z.B. mal ein Kabel oder ähnliches drin gelegen haben mag. Einer dieser Abgänge an der Außenseite - also in Richtung Fort - ist an der Oberseite etwa 35 cm geöffnet. Wir kratzen mittels eines Meißels einfach ein paar Stufen in die feuchte Kreidewand, die so aufgeweicht ist, das man dies auch mit einem Stück Balsaholz hätte tun können. Ich steige nach oben und schaue in den, ebenfalls cirka 1 mal 1 Meter großen "Gang" hinter der Mauer. Dieser macht nach 2 Metern einen 90 Grad Knick nach links und ohne mich durch die Öffnung zu zwängen, war ein Weiterblicken nicht möglich. Die Wand war so schwammig, das ich wegen dem anschließend äußert prekären Ausstieg ohne jeglichen Halt, darauf verzichtete durchzuschlüpfen. Wir mutmaßen, das diese Öffnungen Sprengladungen beherbergten - aber das ist eine andere Geschichte.

Nach der Rückkehr zum Wagen sahen wir "wie die Schweine" aus, überall weiß vom Kreidegestein. Es war bereits weit nach Mitternacht und wir traten den Heimweg an...

Update 10/99: Der Durchschlupf wurde von seit unserem letzten Besuch deutlich vergrößert - welche fetten Vandalen mögen hier durchgekrochen sein? (siehe Bild)

Warnung: Die Nachahmung der gezeigten Exkursion ist definitiv Lebensgefährlich! Außer den offentsichtlichen Gefahren, wie z.B. extreme Einsturzgefahr, können hier chemische oder biologische Gefahren lauern, da nicht bekannt ist wofür und was hier in diesem Tunnelsystem deponiert, getestet oder vorgegangen ist. Der Kreidefelsen, der an einigen Stellen bereits in hunderten Kilo schweren Brocken abgeblättern ist, hat die Eigenschaft in "Platten" abzuplatzen, niemals in kleinen Stücken. Wenn, löst sich eine ganze Schicht ab...

 

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