Deckname "Schwalbe"Ein paar banale Stollen verbergen sich hinterdem Decknamen Schwalbe. Die lediglich geplante Anlage kam über diesen Zustand nie hinaus.
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Die unvollendete...
Kurz vor Balve erstehen wir an diversen Tankstellen zwei Karten von Balve und dem Hönnetal. Wir suchen die charakteristische Bodenformation und werden weit hinter Balve kurz vor Oberröding Hausen fündig. Der sich hier abzeichnende Hang passt ziemlich genau - ist mit "Schießstand Hönnetal" beschriftet und gehört laut Grenzlinien genaugenommen zu 58675 Hemer-Riemke. Das ganze entpuppt sich als großer Steinbruch und ist zudem noch optimal geschützt durch das Flüßchen "Hönne", das hier zwischen Straße und dem vermeintlichen "Schwalbe" verläuft. Die Karte verrät uns zwei Zugangsarten: Frontal über die Eisenbahnlinie oder via einer Einmündung der Hönnetalstraße L682 von hinten kommend. Wir entscheiden uns für die Bahnlinie, weil diese genau an der offenen Seite des Steinbruches vorbeiläuft und so den besten Standpunkt zur Orientierung verspricht. Bevor wir aufbrechen stolpern wir bei einem kleinen Inspektionsrundgang an der Klusensteinstraße gegenüber der Schießanlage noch über einen ehemaligen Sprengstoffbunker des Steinbruchs. Anschließend parken wir unterhalb des Tunnels am Uhufelsen, und steigen zur Bahntrasse hoch.
Wir stehen nun vor dem kurzen Tunnel und überqueren am Schienenrand die Brücke über Straße und Hönne und folgen weiter den Gleisen. Ungefähr in Höhe der Einmündung der Hüstener Straße (L682) stechen wir nach links ein und stehen am unteren Ende des Steinbruchs. Hier ist ein Weg und das Mittelteil des Tals ist durch einen Zaun gesichert. Dieser Zaun spricht eine eindeutige Sprache und hat einen durchaus militärischen Akzent. Wir konzentrieren uns auf die Felswand und werden nach ein paar Metern schon fündig: Ein Durchschlupf!
Wir zwängen uns durch den Spalt und klettern anschließend bis auf Bodenniveau herunter. Draußen muß das Tal einmal tiefer gelegen haben, so cirka 3-4 Meter, denn wir sind quasi unter der Decke eingestiegen. Wir folgen den geradeaus in den Berg führenden Tunnel und nach 40 Metern ist Ende. Das rohe Gestein baut sich vor uns auf, und links wie rechts stehen Bruchsteinmauern, die bis fast unter die Decke reichen. Dr.I.Jones klettert an der linken Seite hinauf und kann oben angekommen, lediglich festellen, daß andere bereits versucht haben sich oberhalb der Mauer durchzuscharren, aber ein sichtbarer Durchschlupf nicht existiert. Daraufhin verlassen wir den Stichtunnel und folgen dem Weg, der sich außen entlang der Felswand steil nach oben windet und künstlich angeschüttet erscheint. Auf dem Plateau angekommen, haben wir eine wunderbare Sicht über das gesamte Tal.
Nach einem kurzen Rundgang auf dem Plateau entdecken wir eine Art Trichter an einer Felswand, den wir aber nicht zuordnen können und rätseln etwas rum "was das ganze denn sein könne". Später werden wir feststellen, das er zu der stillgelegten unterirdischen Schredderanlage gehört, und hier das Gestein einfach von zwei Ebenen eingeschüttet wurde. Ansonsten bietet das Plateau wenig Sehenswertes, außer das es als Motocross-Strecke genutzt wird, wovon die vielen Fahrspuren erzählen. Wir steigen wieder herunter und gehen auf Bodenniveau die ehemalige Kiesgrube systematisch von Links nach Rechts ab. Gleich nach der ersten Biegung liegt linkerhand der erste Stolleneingang in das erste Gangsystem. Vom Weg am Zaun entlang ist er nicht ganz einfach zu sehen, denn der Eingang wurde mit angeschütteter Erde und Gestein verschlossen. Im Laufe der Zeit ist dieser Hügel wohl ein gutes Stück nachgesackt, sodass sich nun oben ein 70cm hoher Durchschlupf bietet. Nach kurzer Begehung stellt sich heraus, das dies einer von zwei kurzen Stollen in den Berg ist, die mit einem Quergang verbunden sind. An einem Ende tut sich ein ausgewaschener Spalt im Gestein auf, durch den stetig Wasser tröpfelt. Eine Leiter, die in den Bodenspalt führt scheint von Speleologen dort hinterlassen und wir hoffen, angesichts des Sees dort unten zu erspähen ist, das diese auch wieder zurück gekommen sind. Wir haben in unserem Gepäck eh kein Atemgerät dabei und kehren ans Tageslicht zurück. Wir marschieren weiter und sehen noch einige zugeschütette Stollen, bei denen der eine oder andere sicher noch durch einen ähnlichen Durchschlupf begehbar wäre, verzichten aber darauf. Der Zaun führt nun bis an die Steilwand und kurz davor ist es soweit: Ein großer betonierter Eingangsbogen. Ein stabiler Zaun, mit Nato-Stacheldraht gesichert verheisst auf jeden Fall ein interessantes Innenleben. Die Türe steht sperrangelweit offen und wir nähern uns ersteinmal vorsichtig und lauschen, ob im Stollen jemand zu vernehmen ist. Fehlanzeige, nicht der kleinste Laut, prima!
Wir beschreiten den Stollen und schon nach 40 Metern dämmert uns der Zweck der Brüstung oben auf dem Plateau. Vor uns mitten im Berg ist einer Schredderanlage eingebaut. Von oben wurde durch einen Schacht durch den Berg das Gestein eingeschüttet, hier geschreddert und in Loren verladen, die schnurgerade aus dem Berg fuhren. Die Typenschilder geben den nächsten Hinweis, das dies mit "Schwalbe" nicht viel zu tun hat. Kurz vor dem Schredder kreuzt ein höher gelegener Längsstollen, der zwar zugemauert wurde, aber in beiden Richtungen schon einen Durchbruch aufweist, der ein bequemes Durchsteigen ermöglicht. Hier kommen wir dann zur Abteilung Zwangsarbeiter und Schwalbe. Die teilweise eingestürzten Stollen befinden sich im rohem Zustand und wurden offensichtlich nie fertig gestellt. Dutzende von noch im Gestein feststeckenden Maschinenmeissel zeugen von einem einst hastigen Vorantreiben. Die Doppelgleise der Loren sind nicht mehr vorhanden und von den Schwellern berichten nur noch die Vertiefungen im Boden. Nach dem Durchsteigen einer verschütten Stelle im Stollen durch einen Durchschlupf, finden wir noch einen stummen Zeugen: Eine Lore. Wir kehren an diesem Punkt um, denn die verschütteten Stellen häufen sich und autogroße Gesteinsbrocken im Stollen erhöhen nicht gerade unser Vertrauen.
Der südliche Längsstollenabschnitt bietet dann noch weniger, und endet mit einigen kurzen Abzweigen bereits nach etwa 150 Metern. Wir drehen von dem Haupteingang mit dem Schredder noch einige Minuten Video und kehren dann zum Auto zurück. "Schwalbe" ist einwandfrei nur ein rohes Stück Stollen und bietet außer Einsturzgefahren nichts Sehenswertes. Das einer der Stollen vergrößert wurde und die Schredderanlage aufnahm, kann dies auch nicht entschädigen.
Die Nachahmung der gezeigten Exkursion ist Lebensgefährlich!
Es besteht in dieser Anlage extreme Einsturzgefahr. Zudem ist die (wenig befahrene) Vorgebirgsbahn eine
erhebliche Gefahr, da sie sich fast ohne Laufgeräusche schnell nähert!
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